„Die meisten Produkte auf Billigplattformen sind für die Tonne“

Nadine Schubert hielt Vortrag zur Plastikkrise

Gerlachsheim. „Wir haben uns in einem vergleichbar kurzen Zeitraum ein unfassbar großes Problem geschaffen.“ Mit diesen Worten leitete Christina Sack, Vorsitzende des Ortsverbandes Lauda-Königshofen von Bündnis 90/Die Grünen eine Vortragsveranstaltung zur Plastikkrise im Gerlachsheimer Josefsaal ein. „Seit 1950 haben wir weltweit 12 Milliarden Tonnen Plastik produziert, jedes Jahr kommen 400 Millionen Tonnen neu hinzu. Jährlich verenden daran hunderttausende Meeressäuger und Seevögel, allein in unseren Ozeanen schwimmen 170 Billionen Plastikpartikel, bei der Produktion und beim Verbrennen von Plastikmüll werden Unmengen an Kohlendioxid freigesetzt und Mikroplastik und giftige Stoffe befinden sich mittlerweile überall in der Natur, in unserem Essen und in uns selbst. Mit Nadine Schubert, Journalistin und Spiegel-Beststellerautorin habe man sich heute eine Referentin eingeladen, die seit 12 Jahren auf diesen Wahnsinn aufmerksam mache und dagegen ankämpfe.

„2013 habe ich, nachdem ich eine Dokumentation über Plastik gesehen hatte, angefangen Plastik zu sparen. Seitdem habe ich mit meinem Blog Millionen Leser erreicht, jahrelang bis zu 100 Vorträge im Jahr gehalten. Ich denke, ich habe schon etwas bewegt, aber es hat seine Grenzen. Die Politik müsste endlich aktiv werden, tut aber nichts,“ zeigte sich Schubert zu Beginn des Vortrags enttäuscht.

Besonders kritisierte sie die neu aufkommenden Billigplattformen Temu und Shein. Hier werde das meiste für die Tonne gemacht.

Deshalb sei für sie auch mit dem Ende dieses Jahres Schluss mit ihren Vorträgen. Das Problem wachse stetig mit tausend neuen Quellen an Mikroplastik, das Interesse an dem Thema sei jedoch weniger geworden. „Wir wissen alle um das Problem, aber die Leute tun sich schwer, es gibt viel Bequemlichkeit, die einen abhält, anders zu konsumieren. Wir atmen, essen und trinken Plastik – im Schnitt nehmen wir in einer Woche die Menge einer Kreditkarte zu uns. Die gesundheitlichen Folgen sind noch nicht abschätzbar, wir wissen jedoch schon, dass es für Kinder besonders schädlich ist.“

Trotz all der Enttäuschung und des Frusts ließ es sich Schubert jedoch nicht nehmen, den Zuhörerinnen und Zuhörern im Gerlachsheimer Josefsaal so einiges an Tipps mitzugeben, den eigenen Alltag möglichst plastikarm zu gestalten. Am meisten Plastikabfall falle im privaten Bereich beim Einkaufen ein, hier können Gemüsekisten eine gute Alternative sein.

Weiter nannte Schubert fünf konkrete Dinge,die wir ändern können: nie mehr Plastikflaschen kaufen; Pflege und Kosmetik in fester Form wie z.B. Seifen kaufen; Textilien aus Naturfasern erwerben und sie weniger waschen; auf Müll achten, Reiniger selbst anmischen. Generell rate sie dazu, Dinge, ob zum Waschen oder Putzen, in fester Form zu kaufen und daheim zu verflüssigen.

Sie wolle jedoch auch nicht alles Plastik verteufeln, wies Schubert auf einen weiteren wichtigen Grundsatz hin: „alles, was wir haben, sollten wir möglichst lange behalten.“ Sie rate jedoch davon ab, fetthaltige Lebensmittel in Plastikdosen zu lagern, da diese mit Weichmachern belastet seien und sich so leichter lösen können. Weiter sollte man darauf achten, keinen Wasserkocher aus Plastik zu nutzen. Ansonsten gelte second-hand zuerst, egal ob bei Kleidung oder anderen Dingen des täglichen Gebrauchs.

„Abschließend kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ein Leben ohne Plastik befreit. Man kauft bewusster ein und beschäftigt sich weniger mit dem Thema Konsum. Ein Leben ohne Plastik spart Zeit und auch Geld. Für mich war es nie ein Verzicht, sondern eine bewusste Entscheidung. Wir können alle entscheiden, wem wir unser Geld geben. Ich habe für mich entschieden, es nur noch denen zu geben, die versuchen, es besser zu machen“, stellte Schubert abschließend heraus.

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